Ich erlaube mir mal auf meine liebe Mitbwohnerin Nancy zu verweisen. Denn die hat jetzt Bilder von unserem suedafrikanischen Hochsicherheits-Domizil hochgeladen. Wer also sehen will wie wir hier leben, hier gibt’s Bilder:
„I’m not racist, but …“
27 08 2007Der Graben zwischen Schwarz und Weiß wird in Südafrika immer größer. Eine richtige Annäherung zwischen beiden Gruppen findet hier nicht wirklich statt. Während der Apartheid war es den Schwarzen verboten sich nachts in den Städten aufzuhalten. Jetzt, nach der politischen Umwälzung, kommen abends viele Arme aus den Townships in die Stadt und versuchen dort sich das zu holen was ihnen jahrelang verwährt wurde. Die Flucht in den billigen Alkohol und die Drogen unterstützt dadurch die Kriminalität. Das hat zur Folge das viele Weiße aus den Stadtzentren in die Vororte ziehen, sich dort einen meterhohen Zaun bauen und sich zusätzlich mit Stacheldraht schützen. So entsteht eine neue Form der Ausgrenzung. Die Spirale dreht sich also immer weiter. Dadurch werden die Stadtzentren immer unsicherer und die Vorurteile der Weißen gegenüber der Schwarzen wachsen immer weiter. Kennt man eine Person die Opfer „schwarzer“ Kriminalität geworden ist, so werden gern alle Schwarzen und Farbigen in einen Topf geworfen. Nach dem Prinzip: Kennst du einen, kennst du alle. Sicher denken hier nicht alle so, aber es ist die leider vorherrschende Meinung die mir seit der Zeit meiner Ankunft hier entgegenschlägt.
Und der Satz den man hier am haeufigsten hoert: „“I’m not racist, but …“
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Als Frau hat Mann es schon ganz schön schwer
27 08 2007Diese Woche war Skippys Geburtstagsfeier. Eine „Crossdress“-Themenparty, bei der Männer als Frauen und Frauen als Männer zu erscheinen hatten. So hieß es für Nancy, Robert, Jan und mich, auf ins Theater. Im dortigen Kostümverleih ließen wir es ordentlich krachen und so kamen wir mit jeder Menge Klamotten zurück. Nancy versuchte uns dann gekonnt durch Schminke zu verweiblichen und auf ging’s, als Frau verkleidet nachts durch den gefährlichen Bezirk. Hätte uns jemand versucht zu überfallen, der wäre wohl aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen. Beste Bedingungen also.
Die Party war ganz lustig, bis auf die Tatsache das es außer uns kaum jemand lange in seinem Crossdress ausgehalten hat. Muss wohl an der Kälte gelegen haben. Als Frau hat Mann es schon ganz schön schwer.
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Iss mich!
27 08 2007Die tägliche Suche nach Nahrung gestaltet sich in Afrika etwas schwieriger als in Europa. Eigentlich gibt es in Südafrika alles was es bei uns auch gibt, aber allerdings schmeckt alles auch ein klein wenig anders. Hat man sich ein Produkt im Supermarkt ausgesucht, gilt es seine Geschmacksnerven auf eine harte Probe zu stellen. Die Südafrikaner mögen es süß. Sehr süß sogar. Alles ist ein Zacken klebriger als bei uns. Selbst normalen Saft kann kaum unverdünnt trinken. Was das Fleisch betrifft, das hat so eine Art Grundgeschmack, der bei jeder Art von Fleisch, die ich bis jetzt gegessen habe, mitschwingt. Nach was es allerdings schmeckt, konnte ich bis jetzt nicht deuten. Und dann erst noch Roberts ominöse „Schinkenwurst“, die er ständig in den höchsten Tönen lobt. Sie sieht aus, als wäre sie in einen Farbeimer mit Rosa Farbe gefallen. Die Konsistenz lässt sich beim Kontakt mit Luft nicht mehr beschreiben. Vom Geschmack ganz zu schweigen. Wüüürgh!
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In the middle of nowhere
20 08 2007Am Wochenende ging es auf eine Farm nach Steynsrus, ca. 250 km von Bloem entfernt. In the middle of nowhere. Die Fahrt zur Farm wurde von Skippy organisiert. Er hat an der CUT studiert und jetzt gehört ihm ein kleines Reiseunternehmen. Die Farm gehört Skippys Eltern und man kommt sich dort vor wie am Ende der Welt. Weit und breit sieht man kaum einen Baum, geschweige den Sträucher. Nur riesige leere Felder und ein paar verlassene Hütten. Hier liegt, im wahrsten Sinne des Wortes, der Hund begraben. Dennoch wurden wir herzlich empfangen und in den zwei Tagen unseres Aufenthaltes sollten wir nichts vermissen. Es wurde opulent gespeist und getrunken und natürlich viel gelacht. Am Samstag ging’s mit raus auf das Feld. Skippy zeigte uns die Gegend und so manchen Stachelschweinbau. Am Abend gab’s dann auch den ersten richtigen afrikanischen Sonnenuntergang zu sehen. Danach wurde selbstverständlich gebraait.
Am Sonntag waren wir alle zusammen bei einem Gottesdienst in der „Dutch Reformed Church“. Nach der Predigt hatten wir noch die Möglichkeit auf den Kirchturm zu klettern, was aufgrund fehlender Treppen, zur Akrobatiknummer wurde. Lediglich über wacklige Metallleitern konnte man die Spitze erreichen.
Sport macht hungrig. Aus diesem Grund gab’s zum Mittag wieder einen Braai. Gegen Nachmittag machten wir uns dann auch schon wieder auf den dreistündigen Heimweg Richtung Bloem.
Hier ein paar Impressionen:
Skippy und Familie (die Watsons)
Meine erste und hoffentlich letzte Spinne in SA
Rembrandt selbstgemacht. Aufstieg zum Kirchturm
Jan und Nancy posen fuer den neuen Outdoorkatalog
Schafe und kilometerweise Nichts
Blick in den ewig andauernden Sonnenuntergang
Die ersten wilden Tiere fallen mich an
Was macht man hier, wenn man merkt das man kein Salz mehr hat?
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„Wem der große Wurf gelungen…“
20 08 2007Am Freitag war an der Universität der sogenannte „Culture Day“. Wir hatten uns dummerweise dazu überreden lassen für diesen Anlass „typisch“ deutsches Essen zu machen. Zusätzlich sollten wir noch eine kleine Showeinlage bringen und ein Lied singen. Am Abend vorher bereiteten wir das Essen zu. Hackbällchen, Brötchen mit Eiersalat, rohem Hackfleisch und Zwiebel, Nudel- und Kartoffelsalat. Was besseres fiel uns, mit unseren zur Verfügung stehenden Mitteln, nicht ein. Allerdings sah alles recht lecker aus. Wir hatten nicht groß darüber nachgedacht, in welcher Größe das ganze stattfinden sollte, doch als wir den riesigen Saal betraten, wurde uns schlagartig bewusst auf was wir uns da eingelassen hatten. In dem Saal hatten mehrere hundert Menschen Platz und auch die Bühne war gewaltig. Uns wurde flau im Magen als wir an unsere Performance dachten, die lediglich daraus bestand drei Strophen „Ode an die Freude zu“ singen und 10 Fragen über Deutschland zu stellen. Unser mitgebrachtes Essen, rund 5 Stunden harte Arbeit, wurde in nicht mal einer Minute von den Studenten komplett verschlungen. Selbst die mitgebrachten Löffel und Gabeln waren verschwunden. Als es dann unsere Performance ging, wurden wir bereits ohne etwas getan zu haben frenetisch gefeiert. So sangen wir „Ode an die Freunde“ vor etwa 450 Zuschauern souverän schief und selbst unser Quiz lies unsere eigentliche Planlosigkeit nicht auffliegen.
Nancy, Robert und Jan an unserem grandiosen Deutschland-Stand. Selbst Frau Merkel ist vertreten.
Eben in den News auf der Universitaetsseite entdeckt:
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„Next week, you are going to write a test“
17 08 2007Am Montag hieß es „Auf zur Stadtrundfahrt durch Bloem“. In drei Stunden zeigte uns „die Dawn“ einige Ecken der Stadt. Darunter den Campus der Universität (CUT), den Naval Hill, einen Berg mitten in der Stadt mit frei lebenden Tieren und einen Township. Die Zusammenfassung der Tour lautete, wie konnte es auch anders sein: „Don’t go there, it’s too dangerous!“. Trotzdem war’s lustig und vor allem interessant.
Danach ging’s zu Nick Esterhazen, Kurse auswählen. Nach einem lekker Chat über Gott und die Welt, legten wir uns fest auf: „International Communications“, „Language of Advertisement“, „Public Speaking“ und “Linguistics” (oder so ähnlich).
Am Donnerstag hatten wir unsere erste Vorlesung in “International Communications”. Uns wurde gleich mitgeteilt das wir nächste Woche einen Test zu schreiben haben und danach jeder von uns einen Vortrag halten müssen! Juhuu! Allerdings gehen die Vorlesungen hier meistens nur 45 min, statt der gewohnten 90 min.
Stadtzentrum (nicht ganz ungefaehrlich bei Nacht)
Simon, Britta, Nancy, Jan und ich auf dem Naval Hill in Bloem
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Lekker Tag
15 08 2007Nach einem ruhigen Start in den Tag ging’s ein paar Schritte durch die Stadt. Allerdings muss man hier vorsichtig sein, denn es gibt kaum Fußgängerampeln. Gegenüber unserer Wohnung liegt die Universität, dazwischen leider auch eine große Kreuzung.. Diese zu überqueren erfordert schon einiges an Übung, denn in Afrika hält man sich nicht unbedingt an jede Verkehrsregel. Hinzu kommt noch der Linksverkehr, der einen jedes mal in die falsche Richtung schauen lässt.
Nach unserem kleinen „Stadtbummel“ ging’s direkt ins Fitnessstudio. Ein super ausgestattetes Gym, in es an nichts fehlt. Geräte, Sauna, Squash und Schwimmbad. Zwei Stunden Training. Danach war genug Platz für ein „lekker“ Abendessen geschaffen. (lekker ist afrikaans und steht für alles was gut und toll ist). Auf ins Fischrestaurant. Eigentlich mag ich keinen Fisch. Höchstens in Stäbchenform, schön fettig und von Oma, doch der hier war ausgezeichnet. Mhmm! Zu später Stunde ließen wir uns ein Taxi kommen (das ist immerhin sicherer als Nachts zu Laufen) und fuhren zu sechst! (exkl.Taxifahrer) nach Hause. Dem schien während der Fahrt unser deutsches Gelaber so auf den Sack zu gehen, dass er kurzerhand das Radio auf volle Lautstärke stellte. Alles in allem, ein „lekker“ Tag!
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TIA – This Is Africa
15 08 2007Angekommen! Nach einer kleinen Gepäckodyssee sind wir heil in Bloemfontein angekommen. Vom Flughafen wurden wir von Mrs. van Gensen abgeholt (kurz „die Dawn“). Sie kümmert sich um die ausländischen Studenten, somit auch um uns. Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft deutete sie auf ca. 97 % aller Straßen mit der Bemerkung „Dont’ go there! It’s too dangerous!“. Das man gewisse Bereiche der Stadt als Weißer meiden soll, wussten wir bereits vor Reiseantritt, das die Straße in der unsere Wohnung liegt auch dazu gehört, nicht. Gut, ich habe etwas übertrieben, unsere Straße soll man hauptsächlich meiden wenn es dunkel ist und das ist es bereits 18 Uhr. Denn hier ist momentan Winter, das heißt es wird schnell dunkel aber auch schnell sehr kalt, sobald die Sonne weg ist. Das sollten wir an unserem ersten Abend auch noch spüren.
Nach dem uns Robert, unser Mitbewohner, der bereits sei drei Wochen in Bloem ist, seine ersten Erlebnisse schilderte, fühlten wir uns trotz der drei Eisengitter vor unserer Haustür nicht wesentlich sicherer.
Am gleichen Abend ging’s mit der Dawn noch zum Rugby Spiel, Bloem Cheetahs vs. Pretoria Blue Bulls. Angeblich ein absolutes Knallerspiel für Rugby Fans. Wir hatten jedoch unsere Probleme überhaupt etwas von den Regeln zu verstehen. Vielleicht sollte man erwähnen das Rugby in Südafrika zum Großteil von Weißen gespielt wird, dementsprechend wenig Schwarze waren unter den 27000 Zuschauern im Stadion zu sehen. Fußball hingegen wird hier fast ausschließlich von Schwarzen gespielt und ist bei den Weißen eher unbeliebt. Nach dem Ende des Spiels und gefühlten fünf Grad minus ging’s nach Hause. Den ersten Abend ließen wir dann ruhig mit ein „paar Bier“ ausklingen.
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Ach, was weiß ich schon!?
9 08 2007
In knapp 23 Stunden geht es auf nach Südafrika. Mein Wissen über das südlichste Land Afrikas ist momentan noch sehr spärlich. Hier mein aktuelles und fast komplettes Wissen über SA. Selbstverständlich inklusive Vorurteile:
- Apartheid bis 1994
- Burenkrieg
- jede Menge Landessprachen, darunter Englisch und Afrikaans
- erster farbiger Präsident Südafrikas Nelson Mandela, Mitglied des ANC
- Frederik Willem de Klerk, vorheriger Amtsinhaber und Mitglied der National Party
- Robben Island, die Gefängnisinsel vor der Küste Kapstadts
- Bloemfontein, fünfgrößte Stadt und Sitz des Obersten Gerichtshofes
- schlechte Straßen
- extreme Unterschiede in den Lebensverhältnissen zwischen Arm und Reich
- hohe Arbeitslosigkeit
- hohe Kriminalitätsrate
- Big Five (ähm Elefant, Giraffe?, hust…Nilpferd?…)
- Malariatabletten sind billiger als in Deutschland
- Rand ist die offizielle Währung
- der ANC (African National Congress) wurde in Bloemfontein gegründet
- in den Townships am Rande der großen Städte wohnen die Armen
- „Pata Pata“ ist ein toller südafrikanischer Song
- Kaffer(n), Schimpfwort gegenüber der schwarzen Bevölkerung
- zu hohe Aidsrate
- Fußball ist der Sport der „Schwarzen“, Cricket und Rugby der „Weißen“
- tolle Natur
- 2010 Fußball WM (übrigens auch in Bloemfontein)
- Spinnen, Schlangen….aaaaaaargh
Ich bin gespannt wie sich diese Liste nach meinem Aufenthalt verändern wird, sofern sie das überhaupt tut.
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