Da bin ich wieder! Zurück von einer Tour mit Klassenfahrtcharakter durch das südliche Afrika. Die letzten 16 Tage hatten es ganz schön in sich. Thüringer Bratwurst, Maul- und Klauenseuche, Taranteln, Sonnenbrand bei 40 Grad, Sand im Mund, Moskitos und ein verrückter Pfarrer.
Mit einem Overland-Truck und 23 anderen Verrückten ging es durch Namibia, Botswana und Zimbabwe (und kurz nach Zambia). An Board des Trucks herrschte ein bunter Nationalitätenmix . Südkoreaner, Mexikaner, Australier, Neuseeländer, Japaner, Schweizer, Portugiesen, Kenianer, Amerikaner und wir.
Wir stiegen in Namibia, besser gesagt in Swakopmund in die Tour ein. Swakopmund, so behaupten einige böse Zungen, sei wohl deutscher als so manche Stadt in Deutschland. Die Stadt liegt an der Sandwüste Namib und noch dazu am Meer. Anfang des 20. Jarhunderts war sie der Haupthafen der deutschen Kolonialverwaltung im damaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika und Haupthafen für Einwanderer aus Deutschland.
Noch heute sprechen viele Einwohner Swakopmunds deutsch und sie zeigen nicht ganz ohne Stolz ihre Herkunft. Hier gibt es Thüringer Bratwurst, Dresdner Christstollen und deutschsprachige Zeitungen. Von den heißen Temperaturen, dem Sand auf der Straße und den Dünen am Horizont mal abgesehen, könnte man wirklich meinen, man ist in der Heimat.
Einen besonderen Ruf genießen die Action-Aktivitäten die hier angeboten werden. Auch wir ließen uns nichts entgehen. Zuerst ging es auf eine Quadbike-Tour durch die Namibwüste. Mit 100 km/h über hohe Dünen zu brettern, das ist schon ein einmaliges Gefühl. Auch Sandboarding probierten wir aus. Man legt sich kopfüber auf ein Brett und rutscht die zum Teil hundert Meter hohen Dünen hinab. Sand im Mund inklusive. Schön wie das knirscht! Da spart man sich einmal Zähneputzen.
Das so eine Tour kein Zuckerschlecken ist, wurde uns schnell bewusst. Der Tagesablauf lässt sich so zusammenfassen. 4.30 Uhr aufstehen, im dunkeln Zelt abbauen, Taschen packen. Frühstück fassen. Geschirr abwaschen und so lange trocken wedeln bis kein Tropfen Wasser mehr an ihnen haftet. Aufgrund von Hygiene und Keimen wurde auf Abtrockentücher verzichtet. Denn wenn 24 Leute, bei 16 Tagen Tour, 3 mal am Tag Geschirr abtrocknen, dann kann man sich vorstellen was für ein bakterieller Mikrokosmos auf den Handtüchern entsteht. Dann auf zur stundenlangen Fahrt. Ankunft auf dem Campingplatz. Zelt aufbauen einräumen, Lunch und den Rest des Mittags und Nachmittags bei 40 Grad im Schatten kräftig aus allen Poren schwitzen. Abends Essen vorbereiten, Essen fassen, Geschirr trockenwedeln, mit Mücken Repellents einschmieren, Anti-Malariatablette einnehmen, mit den anderen am Lagerfeuer sitzen und dann todmüde ins Bett fallen.
Um die anfallenden Arbeiten fair zu verteilen wurden wir in drei Gruppen eingeteilt, die alle vier Tage wechselnde Aufgaben zu erledigen hatten. Dazu zählte:
- Kochdienst. Essen vorbereiten und Gemüse schnippeln. Wir hatten zwar einen toureigenen Koch aber bei 24 Leuten hätte der wohl ewig Kartoffeln geschält.
- Abwaschdienst. Die Töpfe und Pfannen abwaschen und trockenwedeln
- Security. Wenn man in einer Stadt hielt, dann mussten immer Zwei im Bus bleiben und auf die Wertsachen aufpassen. Zusätzlich auch noch Bus reinigen und das Zelt des Kochs auf und abbauen.
Von Swakopmund ging es weiter in den Norden Namibias, der wesentlich grüner und bewachsener ist als der trockene Süden. Dennoch war es zum Teil unglaublich heiß. Um jeden Zentimeter Schatten wurde gekämpft. Da in einigen Gebieten Namibias Maul- und Klauenseuche herrscht, hieß es für uns gelegentlich anhalten um durch ein Desinfektionsbecken zu steigen.
Dann ging es nach weiter nach Botswana. Das hieß freilaufende Elefanten, Löwen, Büffel und die gefährlichsten Tiere Afrikas – Flusspferde bzw. Hippos. In Botswana verbrachten wir zwei Nächte im Okavango Delta. Einem 15.000 km² großen und sumpfigen Binnendelta. Die Einheimischen brachten uns dort in Mokoros (Boote) an einen abgeschiedenen Platz in der Wildnis.
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Am letzten Abend im Delta sangen und tanzten sie für uns als plötzlich aus dem Nichts eine Baboon-Spinne auftauchte. Eine sehr große und aggressive Tarantel. Die mehrere Meter weit springen kann. Mit ihrem Gift kann sie Menschen gefährlich verletzten. So viel zu meiner Spinnenphobie. Als wäre das nicht genug, kam auch noch eine Zweite hinzu. Auch die Einheimischen waren ängstlich, konnten aber durch Geschick den beiden Spinnen ein Ende bereiten. Bravo!
Was unsere Mitreisenden betrifft, so gab es unter ihnen ausgesprochene Perlen. Da hätten wir Fernando, den Mexikaner und Politikwissenschafts-Student. Immer interessiert an fremdsprachigen Flüchen und Schimpfwörtern. Yeong den Südkoraner, in dessen Heimat eSport so populär ist, das die eSportler wie Popstars gefeiert werden. Durch unserer Hilfe kann er jetzt einen lebenswichtigen Satz auf sächsisch. „Gannst de mir ne Fettbemme schmiern?“ und last not least Barnim „the Barmen“ der Pfarrer. Der jetzt nach einem Burnout-Syndrom das Leben neu entdeckt. Trinken, rauchen und immer einen markigen Spruch in gebrochenem Englisch auf den Lippen. Beispiel gefällig? Bei einem Fünf-Minuten-Stopp in einer Stadt sagte uns ein Guide, wir sollten nicht aussteigen ansonsten würde er sich uns vorknöpfen. Barnim darauf zu ihm: „My english is very bad but have clearly understand that we have one hour time to drink a cappuccino.“
Von Botswana ging es direkt nach Zimbabwe. Das Land steckt seit einigen Jahren in der Krise. Weiße Farmer werden aus dem Land getrieben oder gar getötet. Im April 2006 hatte das Land mit 1042,9% Jahresinflation[1] die höchste Inflationsrate der Welt. Zimbabwe Dollar haben daher nur noch einen geringen Wert. Ich tauschte rund 6 EUR um und bekam ein riesiges Bündel Geldscheine – 11 Millionen Zimbabwe Dollar. Die Straßen sind voll von bettelnden Menschen. Man wird nach Kleidung oder ausländischer Währung gefragt. Geld auf dem Schwarzmarkt zu tauschen ist streng verboten. In den Shops findet man fast nur leere Regale.
Unsere letzte Station auf der Tour war Victoria Falls. Man konnte kaum einen Fuß auf die Straße setzen, schon schwirrten unzählige Bettler um einen herum. Kinder, Frauen, alte Männer. Jedem etwas zu geben wäre unmöglich gewesen.
Die Victoria Fälle zu besichtigen sollte das Highlight unserer Tour werden. Die seit 1989 zum Weltnaturerbe zählenden Fälle sind ca. 110 m hoch. Ihren bis zu 300m hohen Sprühnebel kann man sogar noch in 30 km Entfernung sehen. Der Eintritt kostete 20 US Dollar also gute 22 000 000 Zim Dollar.
Die Nacht verbrachten wir zur Abwechslung mal in einem 12 Personen Schlafsaal, in dem aufgrund des schlechten Wetters nun aber 15 Personen Unterschlupf fanden. In dem Saal wimmelte es nur so vor Moskitos, also schnell von oben bis unten mit dem Repellent eingesprüht. Am Morgen gab es für einige das böse Erwachen. Mit Moskitostichen übersäte Leiber lagen da, geschunden von den kleinen Plagegeistern. Jan hatte sich zwar ordentlich mit Autan™ eingecremt, das Gesicht jedoch vergessen. Dementsprechend gepunktet sah er auch aus. Wie ein Streuselkuchen frisch aus dem Backofen. Nur nicht so gut duftend.
Unsere Rückreise per Fugzeug und Bus verlief relativ unspektakulär. Das einzig interessante daran ist, dass wir zum Airport nach Zambia mussten. Der fünfte Grenzübertritt auf unserer Tour.
Zurück in Bloem sind wir nun wieder um eine Menge Erfahrungen reicher. So viele Nationalitäten und Kulturen unter einem Dach, das ist begeisternd, auf Dauer aber auch strapaziös.
Meine abschließende Erkenntnis lautet also: Traue keinem Pfarrer beim Poker spielen! Amen.
[1] http://www.n-tv.de/667075.html
Hej,
schön nach langer Zeit wieder etwas von dir zu hören. Sehe du hattest wieder viel Spass – tolle Bilder … der „Bus“ sehr witzig
und interessant das ihr das Zelt des Koch’s auf und abbauen musstet … fuer echte Thueringer Bratwuerste waren die aber etwas kurz – wie haben sie denn geschmeckt oder hast du nach all dem Braien (?) vergessen wie echte Thueringer schmecken?
Also ich freue mich schon sehr auf Weihnachten und ein wiedersehen … kann ja nicht mehr so lange dauern und du bist wieder zurueck, oder ? Melde dich mal – ich bin ab dem 21. Dez. in Gneus.
\Har det så bra – yours Matthias
Ich habe wieder mal überaus herzlich gelacht!
Dein Deutsch wird immer besser!!! Wenigstens dafür haben sich sämtliche
Ausgaben für SA gelohnt, ehrlich!
Wenn dein Englisch nur halb so gut ist, bin ich zufrieden…
Deine M.a. T.
Wir warten aufs „Christkind“ !!!!!
Toll, wirklich toll was ihr da wieder erlebt habt. Jetzt bin ich schon ein wenig traurig eher gegangen zu sein aber es ging leider nicht anders.
Ich warte gespannt auf eure hoffentlich sichere Ankunft und irgendwann auf ein Treffen. (Kann ich auf Karten hoffen)
Frohe Weihnachten