„An die Nachgeborenen“

25 01 2008

Ihr, die ihr gesichert lebet
In behaglicher Wohnung;
Ihr, die ihr abends beim Heimkehren
Warme Speise findet und vertraute Gesichter:

Denket, ob dies ein Mann sei,
Der schuftet imSchlamm,
Der Frieden nicht kennt,
Der kämpft um ein halbes Brot,
Der stirbt auf Ja oder Nein.
Denket, ob dies eine Frau sei,
Die kein Haar mehr hat und keinen Namen,
Die zum Erinnern keine Kraft mehr hat,
Leer die Augen und kalt ihr Schoß
Wie im Winter die Kröte.
Denket, dass solches gewesen.

Es sollen sein diese Worte in eurem Herzen.
Ihr sollt über sie sinnen, wenn ihr sitzet
In einem Hause, wenn ihr geht auf euren Wegen,
Wenn ihr euch niederlegt und wenn ihr aufsteht;
Ihr sollt sie einschärfen euren Kindern.

Oder eure Wohnstattsoll zerbrechen,
Krankheit soll euch niederringen,
Eure Kinder sollen das Antlitz von euch wenden.

Aus PrimoLevi: „Ist das ein Mensch?“

Rampe Birkenau

Wenn das Jahr beginnt und der Januar in den letzten Zügen liegt, dann steht auch ein besonderes Datum an. Der 27. Januar – vor 63 Jahren wurden die Konzentrationslager in Auschwitz von der Roten Armee befreit.

63 Jahre, die Zeit eines Menschenlebens. Doch betrachtet man die Menschheitsgeschichte genau, dann sind 63 Jahre nicht viel. Aber es ist immerhin genug Zeit um zu vergessen. Doch Orte wie Auschwitz, Buchenwald, Majdanek und alle die anderen Konzentrationslager sind Orte die man nicht vergessen darf.

Gleichwohl man diese Namen schon oft gehört hat, das Grauen und die Hölle mit ihnen verbindet, so ist es doch unsere Aufgabe das Erinnern fortzuführen, denn bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben.

Hervorragend zum Erinnern geeignet und uneingeschränkt empfehlen kann ich…

Ein autobiografischer Bericht über das Leben Levis in Auschwitz II (Birkenau). Erdrückende Schilderung die ein Film oder eine Dokumentation nie darzustellen vermag.

Ein sehr gut gemachter Spielfilm über die Geschichte des Sonderkommandos in Birkenau.

  • …die BBC-Dokumentation „Auschwitz“ (frei über Google-Video erhältlich)

Teil 1: Auschwitz – Die ersten Opfer
Teil 2: Auschwitz – Die Sklavenindustrie
Teil 3: Auschwitz – Die Fabriken des Todes
Teil 4: Auschwitz – Verbrechen und Korruption
Teil 5: Auschwitz – Der Massenmord
Teil 6: Auschwitz – Befreiung und Vergeltung

Ich danke für die Aufmerksamkeit.





Berichtigung

24 01 2008

http://www.nationalflaggen.de/shop/catalog/images/suedafrika.gif

Ich bin wohlbehalten zurück aus Südafrika. Nun gilt es mein südafrikanisches Halbwissen, welches ich vor meinem Aufenthalt zum besten gab, zu berichtigen.

  • Apartheid bis 1994
    …das Ende der Apartheid wurde besiegelt im April 1994

  • Burenkrieg
    …genaugenommen gab es zwei, der Erste zwischen 16. Dezember 1880 und dem 23. März 1881 und der Zweite von 1899 – 1902. Hier kämpften die Buren (nl. Boer = Bauer) gegen die Briten. Die weißen Südafrikaner sind heute mächtig stolz, dass die wenigen Buren dem großen englischen Heer Paroli bieten konnten. Verloren haben sie dennoch. Macht auch nichts, trotz der alten Fehde zwischen weißen Südafrikanern und Briten gehen viele Buren heute trotzdem zum Auslandsstudium nach England.

  • jede Menge Landessprachen, darunter Englisch und Afrikaans
    …um genau zu sein, elf amtliche Landessprachen: Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, isiNdebele, Sesotho, Nördliches Sotho, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Verstehen kann man neben den üblichen Englischkenntnissen auch ein wenig Afrikaans, denn es ist eine leicht abgeänderte Form von Niederländisch. Interessant ist auch das einige traditionelle Sprachen mit Klick-Lauten gesprochen werden.

  • erster farbiger Präsident Südafrikas Nelson Mandela, Mitglied des ANC
    …wird teilweise wie ein Gott verehrt und ist an allen Ecken und Enden omnipräsent.

  • Frederik Willem de Klerk, vorheriger Amtsinhaber und Mitglied der National Party
    …dem habe ich nichts hinzuzufügen.

  • Robben Island, die Gefängnisinsel vor der Küste Kapstadts
    …eine DER Touristenattraktionen in Kapstadt. Touren müssen lange im Voraus gebucht werden. Auf der Insel herrscht eine Kaninchenplage.

  • Bloemfontein, fünfgrößte Stadt und Sitz des Obersten Gerichtshofes
    …verschrien als langweiliges und spießbürgerliches Nest. Dem kann ich nicht beipflichten, es war immer etwas los. Man musste nur wollen, die Lust und die nötige Kraft dazu haben.

  • schlechte Straßen
    …also wie ich auf den Punkt gekommen bin ist mir schleierhaft. Die Straßen sind zum Großteil in einem guten Zustand. Lediglich ein paar Straßen in abgelegene Gebiete sind holprig. Das ist bei uns allerdings nicht anders.

  • extreme Unterschiede in den Lebensverhältnissen zwischen Arm und Reich
    …aber hallo!

  • hohe Arbeitslosigkeit
    …davon ist der Großteil Schwarz oder Farbig. Angeblich gibt es mittlerweile ein Gesetz welches besagt, dass min. 51 % der Angestellten Schwarze sein müssen. Leider habe ich keine offizielle Quelle für diese Annahme gefunden.

  • hohe Kriminalitätsrate
    …auch wenn man es nicht wahrhaben möchte aber die Angst in Südafrika Opfer von Kriminalität zu werden ist allgegenwärtig. Das kommt nicht von ungefähr. Während unseres knapp 5 Monate dauernden Aufenthaltes, wurde zweimal versucht uns das Handy bzw. Portemonnaie zu klauen und einmal wurden vier Schüsse auf uns abgefeuert.
    Nachts wird auch gern bei rot über die Kreuzung gefahren, da ein Stoppen an der Ampel zu gefährlich wäre.

  • Big Five (ähm Elefant, Giraffe?, hust…Nilpferd?…)
    …selbstverständlich sind das …*hüstl*…Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe, Leopard.

  • Malariatabletten sind billiger als in Deutschland
    …wenn man die richtige Bezugsquelle hat schon aber auch sonst sind Medikamente im allgemeinen günstiger als in Deutschland.

  • Rand ist die offizielle Währung
    …und 1 EUR = 10,384 Rand (Stand 23.01.07)

  • der ANC (African National Congress) wurde in Bloemfontein gegründet
    …100 Punkte!

  • in den Townships am Rande der großen Städte wohnen die Armen
    …und nicht nur die großen Städte haben ihre Townships. Oft leben mehr Menschen in den Townships als in der eigentlichen Stadt.

  • „Pata Pata“ ist ein toller südafrikanischer Song
    …von Miriam Makeba. Sie lebte 30 Jahre lang im Exil weil sie sich offen gegen die Politik der Apartheid aussprach. 1990 kam sie auf Bitten Mandelas wieder zurück und lebt nun in Johannesburg.

  • Kaffer(n), Schimpfwort gegenüber der schwarzen Bevölkerung
    … der Gebrauch ist heute in Südafrika und Namibia verboten. Mir ist es nur einmal begegnet und das direkt nach dem Schuss“wechsel“.

  • zu hohe Aidsrate
    …in der unserer Uni hingen überall Plakate die vor HIV warnen. Bei einer HIV Rate von ca. 21,50 %[1] kein Wunder. Allerdings liegt die Aidsrate in Swasiland fast doppelt so hoch. Damit ist Swasiland das Land mit der höchsten Aidsrate der Welt.

  • Fußball ist der Sport der “Schwarzen”, Cricket und Rugby der “Weißen”
    …stimmt! Nur wenige Weiße verirren sich zu den Spielen Schwarzer Fußballmannschaften – gerne wird Fußball von den Weißen auch als Sport für „Pussys“ bezeichnet. Doch auch beim Rugby sieht es nicht anders aus. Auf 40.000 Zuschauer kommen dort vielleicht 300 Schwarze.

  • tolle Natur
    …das liegt ja wohl eindeutig im Auge des Betrachters. Ich fand es dennoch spektakulär und teils atemberaubend. Vor allem die Sonnenuntergänge sind einmalig…obwohl, einmalig ist das falsche Wort, eher einzigartig.

  • 2010 Fußball WM (übrigens auch in Bloemfontein)
    …in Anbetracht der Sicherheitslage auf den Straßen und den riesigen Bauvorhaben mache ich mir da ernsthaft Sorgen.

  • Spinnen, Schlangen….aaaaaaargh
    …was soll ich dazu noch sagen. Dort sah ich die wohl größte Spinne meines Lebens und die war auch noch giftig und konnte gute 2 m springen!

    Hinzufügen sollte ich allerdings auch…

  • Die Südafrikaner, gleich welcher Hautfarbe sind sehr gastfreundlich und offen. Häufig wird man angesprochen oder auf einen Braai eingeladen ohne den Gastgeber wirklich zu kennen.
  • Große Einigkeit zwischen Schwarz und Weiß herrscht auch nach gut 14 Jahren Apartheidsende nicht und wird wohl auch noch lange Zeit brauchen.
  • In Südafrika geht alles etwas gemächlicher zu, wer in die Autowaschanlage will, der sollte schon mal 2 h einplanen.
  • Auch hier kann man frieren, was ich häufig am eigenen Leibe spüren musste. Nicht selten fallen die Temperaturen nachts unter 5 Grad. So vieles gäbe es noch was zu erwähnen wäre. Wer’s genau wissen will der kann mich gerne fragen.

[1] Quelle: CIA World Factbook – Version Dezember 1, 2007